„Weißt Du, wie Du Gott zum Lachen bringen kannst? Erzähl ihm Deine Pläne.“
( Blaise Pascal)
Wie finde ich den Weg Gottes für mein Leben?
Liebe Schwestern und Brüder in Christo,
das Leben ist voll von Überraschungen. Jeder Lebensabschnitt hat seine eigene Seele, aber auch seine eignene Anforderungen. Jeder kennt das: ob zur Konfirmation oder dem so wichtigen 18. Geburtstag, bei Hochzeit und Todesfeiern – jeder dieser Lebensabschnitte hat seine Besonderheiten. Soweit so gut – dennoch: gerade das Nichtwissen um die Zukunft, gerade die Notwendigkeit sich dem Leben preiszugeben – all das kann eine tiefe Angst verursachen. Angst vor dem was kommen kann, Bedrückung über die vermeintlich verlorenen Jahre und Möglichkeiten – all das zeigt ganz deutlich:
„Weißt Du, wie Du Gott zum Lachen bringen kannst? Erzähl ihm Deine Pläne.“
( Blaise Pascal)
Gott ist höher, als unser Verstand und unser verstehen. So gern der Mensch sich auch in der Gewissheit um seine Zukunft zurücklehnen würde, so unmöglich ist jene Realisierung des Traums. Denn Gott und unser Leben haben Vieles gemeinsam. Klar ist: weder das Handeln Gottes noch die Zukunftssicht, die die Angst vor Neuem in sich aufnehmen soll, sind planbar. Heute noch glücklich, morgen schon wieder nicht, gestern noch gesund, heute schon sterbenskrank. Das Leben lässt sich nicht planen, denn der Mensch denkt und Gott lenkt – Gott sei dank, wie ich meine.
Das Leben lässt sich einfach nicht in die Karten schauen. Gerade hier sollten wir das Evangelium zurate nehmen. Lk 12,16-21
Der reiche Kornbauer
16 Und er sagte ihnen ein Gleichnis und sprach: Es war ein reicher Mensch, dessen Feld hatte gut getragen.
17 Und er dachte bei sich selbst und sprach: Was soll ich tun? Ich habe nichts, wohin ich meine Früchte sammle.
18 Und sprach: Das will ich tun: Ich will meine Scheunen abbrechen und größere bauen und will darin sammeln all mein Korn und meine Vorräte
19 und will sagen zu meiner Seele: Liebe Seele, du hast einen großen Vorrat für viele Jahre; habe nun Ruhe, iss, trink und habe guten Mut!
20 Aber Gott sprach zu ihm: Du Narr! Diese Nacht wird man deine Seele von dir fordern; und wem wird dann gehören, was du angehäuft hast?
21 So geht es dem, der sich Schätze sammelt und ist nicht reich bei Gott.
Liebe Schwestern und Brüder,
so befremdlich erscheint uns das Verhalten jenes Kornbauers nicht. Seine Ernte war überaus gelungen und so kommt er auf die Idee, erst einmal zu entspannen nach der harten Arbeit. Und da der Vorrat mehrere Jahre halten wird, hat er, ich würde sagen, ausgesorgt. Genug Essen und Trinken – was will man mehr. Vielleicht machte jener Kornbauer schon Pläne, vielleicht wohin er reisen will oder was er sich als Konsument unbedingt anschaffen wird – wer weiß das schon.
Dennoch: auch wenn wir unseren Reichtum nicht über eine Kornernte definieren, so ist unerwarteter Reichtum nicht nur Freude und Glück. Denn im alles haben können lebt man sein Leben doch eher auf der Überholspur. Statussymbole werden immer wichtiger, denn man will ja zeigen was man hat. Und dann sieht man im Fernsehen, wie sich die High Society durch Partys und Schönheitsoperationen das Leben nach deren Augen lebenswerter machen.
Man spricht miteinander, verabredet sich, um auf einer anderen Party wieder die gleichen Leute vorzufinden. Und dabei vergisst man immer, das das Leben Sinn haben muss, um nicht an der Oberfläche des Täglichen auszutrocknen.
Auch der Kornbauer dachte nicht weiter über seine Zukunft nach. Er lebt für das hier und jetzt – nach einem die Sinnflut. Sein Plan erscheint ganz einfach – den Reichtum auskosten – alles andere erscheint jenem Plan des Eudämonismus untergeordnet zu sein.
Gerade in den Zeiten, in denen wir Erfolge oder gar Misserfolge erzielen, verfällt man nur all zu leicht in den Gedanken, das all das ewig so weitergeht, man verliert Zweifel und Realitätssinn, was wiederum zu Übermut oder Depression führt. Unweigerlich fragt man sich, ob das denn der Plan Gottes sei, uns an die Sonnen – oder Schattenseite des Lebens zu stellen. Entweder oder, schwarz oder weiß.
Gottes Wege sind verschlungen, das wissen wir. Nur leider vergessen wir das immer wieder.
Ich bin zuweilen ein Mensch, der versucht, ins Ferne, in die Zukunft zu schauen, wie sich wohl dieses oder jenes entwickeln wird. Und sie werden es nicht glauben: ich habe schon so oft Schiffbruch gerade deswegen erlitten. Denn fast immer ist unsere Befürchtung um Klassen schlimmer, als es die Realität überhaupt sein könnte. Und das alles, weil der Mensch sich selbst genügen will oder es einfach hier und da nicht schafft, sich in die Hände des Allmächtigen hineinfallen zu lassen. Das ist eine harte Arbeit, eine große Herausforderung, eine lebenslange Aufgabe.
Jene Erfahrung macht auch unser Kornbauer, nur eben in die andere Richtung. Er plant um Jahre voraus sein Leben, ohne mit Gott und der Vorsehung zu rechnen. Und siehe, noch in derselben Nacht ist er vermutlich verstorben. Aus mit dem Luxus, den Kullinarien für die kommenden Jahre. Der Mensch denkt, Gott lenkt. Es stimmt wirklich.
Niemand kennt die Pläne Gottes – auch nicht Mose
Wie nur erkennen wir aber, was Gott von uns fordert? Wie erkennen wir den rechten Weg für unser Leben, wenn doch unser Herr mit Hinweisen sehr sparsam umgeht. Ist es Zufall, ist es Beliebigkeit – wie nur finde ich den Pfad meines eigenen Lebens?
Man stelle sich folgendes vor: Ein Mann wird als Baby ausgesetzt und findet in einem sehr reichen und einflussreichen Haushalt ein neues Zuhause. Dann wird er Zeuge einer Gewalttat, die er mit der Tötung des Agressors beendete. Also ist er ein Mörder und in seiner Flucht und Panik verliert er sein bisheriges Leben, das an Reichtum und Annehmlichkeiten nicht geizte.
Er zieht weiter und übernimmt einen Hilfsjob an. Das macht er 40 Jahre lang. Doch dann erfährt jener mordende Minijobber seine Lebensberufung – mystisch, geheimnisvoll, erstaunlich. Denn unweigerlich fragt man sich, was man denn mit einem flüchtigen Straftäter ohne nennenswerte Ausbildung anfangen will? Warum nicht einen Mann, der ein ganz „normales“ Leben bisher geführt hat? Und Gott geht da noch ein Stück weiter – er beruft Mose, jenen mordenden, ärmlichen Mann, zu seiner ganz eigenen Mission des Lebens. Ihm ist es aufgetragen, das Volk Gottes aus der Hand der Ägypter zu befreien. Bei näherem hinsehen eine eigentlich nicht ganz ernst zu nehmende Aufforderung – ein Mann gegen eine Übermacht des Pharaos? Wie soll das denn gehen? Das ist doch Selbstmord, oder etwa nicht?
Dennoch: schon bald erkennt Mose: der Herr trägt mir eine Aufgabe an, die nur ich allein erfüllen werde. Ich kann nicht scheitern, denn Gott ist bei mir, ich bin allenthalben sein Werkzeug. Wovor sich also fürchten?
Fest steht: Mose wurde im laufe seines Lebens bewusst, das Gott ihn zu etwas ganz Großem berufen hat. Er offenbarte ihm Stück für Stück seinen Lebensweg, der bis zum Schluss an Gottes Seite zuende gebracht wurde.
Gott beruft einen jeden von uns zu einer Aufgabe, die nur für uns gemacht zu sein erscheint. Gott gestaltet letztlich unser Apostolat, unser christliches Leben nach seinem Willen, seinem leisen Willen. Nur wer genau hinsieht, nur wer immer den Willen Gottes sucht, der kann am Ende seines Pilgerwegs getrost sagen: ich hatte ein Leben mit Gott, ein Leben, das sich ganz schenkte und gerade so nie leer wurde.
Dies erkannte auch Josua. Kennen Sie Josua? Nun, er war der Stellvertreter Mose, ein starker Mann, der von Mose in die Berufung der Führung hineingenommen wurde. Nach dem Tod Moses richtet der Herr die folgenden Worte an ihn:
Es soll dir niemand widerstehen dein Leben lang. Wie ich mit Mose gewesen bin, so will ich auch mit dir sein. Ich will dich nicht verlassen noch von dir weichen.
6 Sei getrost und unverzagt; denn du sollst diesem Volk das Land austeilen, das ich ihnen zum Erbe geben will, wie ich ihren Vätern geschworen habe.
7 Sei nur getrost und ganz unverzagt, dass du hältst und tust in allen Dingen nach dem Gesetz, das dir Mose, mein Knecht, geboten hat. Weiche nicht davon, weder zur Rechten noch zur Linken, damit du es recht ausrichten kannst, wohin du auch gehst.
8 Und lass das Buch dieses Gesetzes nicht von deinem Munde kommen, sondern betrachte es Tag und Nacht, dass du hältst und tust in allen Dingen nach dem, was darin geschrieben steht. Dann wird es dir auf deinen Wegen gelingen und du wirst es recht ausrichten.
9 Siehe, ich habe dir geboten, dass du getrost und unverzagt seist. Lass dir nicht grauen und entsetze dich nicht; denn der HERR, dein Gott, ist mit dir in allem, was du tun wirst.
Sei getrost und unverzagt – wunderbare Worte, Worte, die Kraft haben, die aufrichten, die ein Leben lenken können. Und Josua braucht diesen Zuspruch unbedingt.
Auch wir brauchen jenen erbaulichen Kontakt mit Christus, auch wir brauchen seine Gegenwart, um ein rechtes, ein wahrhaftiges Leben vor Gott führen zu können. Menschen, die nach ihrer ganz eigenen Berufung suchen, brauchen Gebet, Zuspruch, Aufrichtung.
Und so unbekannt ist uns jenes Geschehen nicht.
Ich kann Josua recht gut verstehen. Wenn man ganz plötzlich in eine neue Aufgabe berufen wird, ängstelt man sich ein wenig, der neuen Zukunft nicht so recht gewachsen zu sein. Reichen die Fähigkeiten, genüge ich den Anforderungen? Fragen, ja Fragen ohne wirkliche Antworten, denn die kann man sich nur nach Antritt jener Aufgabe wirklich beantworten.
Dererlei Begegnungen hält das Leben für einen bereit. Und hier stellt sich die Frage: wie schaffen wir es, Sinn in all dem Getrubel zu finden? Wie schaffen wir es, in all dem Chaos die Stimme Gottes, die Stimme unseres Lebens zu hören, die scheinbar von so vielen Frequenzen überlagert wird?
Ich glaube, das wir unseren Weg mit Christus allein in ihm finden können. Sein Wort, sein Leben sind uns bereits Weg und Ziel im Glauben. Wenn wir uns aufmachen, ihn in unser Leben einzulassen, wenn wir uns aufmachen, seine Werte und seine Tugenden mit unserer Existenz zu füllen, dann offenbart sich unser eigener Weg, jeden Tag aufs Neue.
Doch zu jener Erfahrung gehört es auch, voller Geduld und Gottvertrauen dem eigenen Leben zu folgen. Gott gibt uns nicht Blicke in unsere Zukunft, er wird uns nie jenes endgültige Wissen um das Kommende offenbaren bis zu jener Zeit, in der wir ihn erkennen, wie wir durch ihn erkannt sind. Gottvertrauen, das Leben bewusst Stunde um Stunde zu leben im Vertrauen darauf, das Gott eben kein zeitloses, uninteressiertes Fatum ist, sondern Realität und Lebenskraft für einen jeden von uns. Dort, wo das Vertrauen auf eine Zukunft aus dem Denken der Menschen verschwindet, dort, wo Schrecknisse, Lebenskrisen und Sorgen alles Positive in uns zu blockieren scheinen – gerade dort kann uns allein unser Glaube und unser Gottvertrauen wieder zurück ins Leben führen. Wir müssen glauben, das Gott alles Dunkle in und um uns herum zum Licht, zum Guten wenden wird. Keiner weiß, wie das passiert, doch gerade im Wissen um die Liebe unseres Herrn bedürfen wir dieser Konkretheit nicht. Zu wissen, das Gott uns bedingungslos liebt, in dem Wissen, das er uns nie „vor die Hunde gehen lassen wird“ können wir in allem Schmerz und aller Bedrückung getrost sein – mein Gott ist da und er wird mich durch jenes dunkle Tal hindurch navigieren – ich bin nicht verloren, egal was mir und meinen Lieben passiert – unser Glauben ist der Sieg über diese Welt, unser Gottvertrauen die Rüstung des Glaubens gegen alles Böse und Bedrohliche dieser Zeit. Seine wir mutig, geben wir niemals auf, lassen wir uns niemals entmutigen. Sagen wir das immer und immer wieder, füllen wir diese Worte mit Leben, mit unserem Leben. „Öffnet die Türen weit für Christus.“ ( Johannes Paul II)
Was, liebe Schwestern und Brüder – was würden wir im Lichte dieser eben gehörten Worte jenem Kornbauern sagen, wenn er neben uns sitzen würde ?
Vieles haben wir gehört, vieles verstanden für das eigene Leben.
Ich würde dem Kornbauern raten, sein Leben in die Hände und in die Bestimmung durch Gott zu geben. Zuerst muss er die Worte „morgen“ und „gestern“ aus seinem Denken streichen, denn Gott gewährt uns nur den Augenblick, den konkreten Moment für unser Leben. Das Gestern und das Morgen gehören ihm allein und nichts auf dieser Welt kann uns die vergangenen und die kommenden Momente schenken, wiedergeben. Doch geradeso werden wir frei, frei im denken, frei im entscheiden, frei mit unseren Schuldgefühlen für das Gestern und für das Morgen. Immer möge er an die Worte denken: „ Der Mensch denkt, Gott lenkt!“.
AMEN!

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